DGCO e.V. Startseite DGCO e.V. Startseite
Mitglieder
facebook
  StartseiteManuelle Medizin/ChirotherapieAusbildung
 Ärztesuche nach Postleitzahl
 
Die Gesellschaft
M.D.O.®
Manuelle Medizin/Chirotherapie
Ausbildung
Adressen Ärztekammern
Osteopathie
Symposien
Patienten Info
Presse
Links
Mitgliederbereich
Kontakt
Impressum

Die Ausbildung der Chirotherapie/Manuellen Medizin


1. Einleitung

Auf dem Deutschen Ärztetag 2003 wurde die Zusatzbezeichnung Chirotherapie um den Titel „Manuelle Medizin" / ergänzt. Die Bezeichnung Manuelle Medizin oder Chirotherapie kann wahlweise genutzt werden. In diesem Kursbuch wird durchgehend der Begriff "Manuelle Medizin" verwendet.

Die Manuelle Medizin (MM) ist die medizinische Disziplin, in der unter Nutzung der theoretischen Grundlagen, Kenntnisse und Verfahren weiterer medizinischer Gebiete die Befundaufnahme am Bewegungssystem, dem Kopf, viszeralen und bindegewebigen Strukturen sowie die Behandlung ihrer Funktionsstörungen mit der Hand unter präventiver, kurativer und rehabilitativer Zielsetzung erfolgt. Diagnostik und Therapie beruhen auf biomechanischen und neurophysiologischen Prinzipien.

Die MM umfasst im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzeptes die interdisziplinäre Anwendung ihrer diagnostischen und therapeutischen Techniken zur Erkennung und Behandlung gestörter Funktionen des Bewegungssystems und der davon ausgehenden Beschwerden. Dabei finden auch Verkettungen von Funktionsstörungen innerhalb des Bewegungssystems, vertebroviszeral, viszerovertebral und viszerokutan sowie psychosomatische Einflüsse ihre angemessene Berücksichtigung.

Die MM erfordert theoretische Kenntnisse und Fertigkeiten, die in strukturierten Kursen von hierfür qualifizierten Weiterbildern vermittelt werden. Eine vorherige Anerkennung des Kurses und seines Leiters ist bei der zuständigen Ärztekammer einzuholen. Der Kursaufbau wird durch dieses Kursbuch in verbindlicher Reihenfolge festgelegt. Der Deutsche Ärztetag 2003 hat im Rahmen der Neustrukturierung der (Muster-) Weiterbildungsordnung (MWBO) auch die Bedingungen für den Erwerb der Zusatzweiterbildung "Manuelle Medizin/Chirotherapie" erweitert. Voraussetzung zum Erwerb der Zusatzweiterbildung "Manuelle Medizin/Chirotherapie" ist die Facharztanerkennung.
Ziel der Zusatzweiterbildung ist die Erlangung der fachlichen Kompetenz in Manueller Medizin nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit und Weiterbildungsinhalte sowie der Weiterbildungskurse. Die Weiterbildung für diesen Bereich erfolgt im Kurssystem. Die MWBO fordert einen Umfang von insgesamt 320 Stunden. Die kursmäßig durchgeführte Weiterbildung gliedert sich in:

1. Grundkurs (120 Stunden), in dem Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten der MM vermittelt werden und
2. Aufbaukurs (200 Stunden), der vertiefende Fähigkeiten und Fertigkeiten der MM vermittelt, die in strukturierten und in ihrer Reihenfolge festgelegten Abschnitten durchgeführt werden, um so einem modularen Aufbau der Inhalte vom Einfachen zum Komplizierten zu entsprechen.

Die Zusatzweiterbildung "Manuelle Medizin/Chirotherapie" soll den mit der Erkennung und Behandlung von Funktionsstörungen am Bewegungssystem und mit der Schmerztherapie befassten Ärzten in Klinik und Praxis das notwendige Rüstzeug vermitteln und ihre diagnostische und therapeutische Palette durch die Möglichkeiten der gesamten Manuellen Medizin erweitern.

2. Kursdurchführung

Die Weiterbildungseinrichtungen müssen über geeignete Räume für den theoretischen Unterricht sowie geeignete Übungsräume mit höhenverstellbaren Liegen verfügen. Pro Liege sollen maximal drei Übende vorgesehen werden. Der Unterricht besteht aus

• theoretischen Vorträgen
• praktischen Demonstrationen
• übenden Sitzungen

Nach der jeweiligen theoretischen Einführung in den einzelnen Abschnitt mit der Abklärung von Indikation und Kontraindikation wird besonderes Gewicht auf die praktische Unterweisung in den gelehrten manuellen Untersuchungs- und Behandlungstechniken gelegt. Diese werden nicht nur vor dem Üben durch die Kursanten vom Kursleiter oder Fachlehrer demonstriert, sondern auch während des Übens ständig supervidiert.
Die Zahl der Kursanten pro Lehrkraft soll 15 nicht übersteigen. Die Kurse sollen grundsätzlich durch die Teilnehmer evaluiert werden. Die Kursleiter und Fachlehrer müssen über besondere manualmedizinische Erfahrungen verfügen. Sie sind verpflichtet, regelmäßig an ausgewiesenen Lehrerfortbildungen teilzunehmen.

Die „Empfehlungen zur ärztlichen Fortbildung" der Bundesärztekammer sind zu beachten.

3. Inhaltliche Schwerpunkte

Für die Kurse werden folgende inhaltliche Schwerpunkte gesetzt:

• Funktionelle Anatomie des Bewegungssystems
• Neurophysiologie des Schmerzes
• Schmerz als Folge und als Ursache von Funktionsstörungen
• funktionelle Verkettung innerhalb und zwischen den Bewegungsorganen (Wirbelsäule, Extremitätengelenke, Muskeln, Bänder, Faszien) sowie mit Störungen innerer Organe.
• psychosoziale Einflüsse
• Manuelle und funktionelle Diagnostik an den Bewegungsorganen unter besonderer Berücksichtigung nozireaktiver Zeichen
• Bewertung der Ergebnisse bildgebender Untersuchungsverfahren
• Bewertung neurophysiologischer Untersuchungsbefunde
• Manualmedizinische Behandlungstechniken an den Bewegungsorganen und anderen in das pathologische Geschehen einbezogene Gewebe:
- Mobilisationen
- Manipulationen neuromuskuläre Techniken
- Weichteiltechniken Positionierungstechniken Entspannungstechniken
• Anleitung zu Eigenübungen des Patienten
• Einbau der manualmedizinischen Techniken in ein multimodales Therapiekonzept
• Dokumentation und Qualitätssicherung

4. Diagnostische und therapeutische Prinzipien

Bei der Gestaltung der Kurse sind die folgenden diagnostische und therapeutische Prinzipien zu berücksichtigen:

Diagnostische Prinzipien:

• Anamnese
• Untersuchung von Funktionen und deren Störungen
• Schmerzfreie Untersuchung der Gelenkfunktion
• Ganzheitliches Herangehen im Rahmen der medizinischen diagnostischen Methoden
• Untersuchungsgang wird von der orientierenden zur lokal gezielten, speziellen manualmedizinischen Untersuchung geführt
• Funktionsstörungen werden struktur- und beschwerdebezogen ermittelt

Therapeutische Prinzipien:

• Therapiestrategie: Reizabbau oder Reizsetzung
• Behandlung von Funktionsstörungen im Konzept parietaler und viszeraler Komponenten
• Mobilisation, Manipulation, neuromuskuläre, myofasziale und Weichteiltechniken entsprechend Art und Grad der Funktionsstörung und des Beschwerdebildesy
• Primäre Behandlung der übergeordneten Störung (pathogenetische Aktualitätsdiagnostik)
• Einsatz multimodaler Interventionskonzeptev

5. Kursaufbau

Grund- und Aufbaukurs werden in Blöcken durchgeführt, deren Inhalt und Folge vom einzelnen Weiterbildungsträger festzulegen sind.y Die Länge der einzelnen Blöcke darf zwischen 30 und 60 Stunden betragen. Aus didaktischen Gründen sollen grundsätzlich pro Tag nicht mehr als 8 Unterrichtseinheiten (je 45 Minuten) durchgeführt werden (siehe „Empfehlungen zur ärztlichen Fortbildung" der Bundesärztekammer). Das Schwergewicht liegt auf der Vermittlung praktischer Fertigkeiten und Kenntnisse. Die theoretischen Unterrichtseinheiten können in den praktischen Unterricht integriert werden.

Der Abstand zwischen den einzelnen Blöcken beträgt mindestens drei Monate, um die
Zwischenzeit zur übenden Festigung der erlernten Fertigkeiten zu nutzen.

120 Stunden Grundkurs gliedern sich in:
40 Stunden Theorie 80 Stunden Praxis

200 Stunden Aufbaukurs gliedern sich in:
40 Stunden Theorie 160 Stunden Praxis

Die Weiterbildung wird mit einer Abschlussprüfung vor der Ärztekammer abgeschlossen.

6. Kursinhalte

(Unter Stunde ist im Folgenden eine Unterrichtseinheit von 45 Minuten zu verstehen)

Grundkurs: (120 Stunden):

Erwerb von Grundkenntnissen und Grundfertigkeiten Theorie (40 Stunden):

10 Stunden
Theoretische Grundlagen der
• Funktion, Steuerung und Funktionspathologie des Bewegungssystems
• vertebroviszeralen Wechselbeziehungen
• Nozizeption, Schmerzentstehung und Nozireaktion
• biomechanischen Grundlagen des Bewegungssystems sowie der Funktionsstörungen am Bewegungssystem
• Wirkungsprinzipien der verschiedenen manualmedizinischen Techniken auch hinsichtlich der vertebroviszeralen und viszerovertebralen Wechselbeziehungen und Verkettungen

10 Stunden
Funktionelle Anatomie der Extremitätengelenke, der Wirbelsäule und der Gelenke des Kopfes

1 Stunde
Faszienstrukturen, physiologische und neurophysiologische Eigenschaften des Bindegewebes

10 Stunden
Grundlegende Kenntnisse der bildgebenden Diagnostik unter Gesichtspunkten der MM und Röntgenanatomie

2 Stunden
Schmerz im Bewegungssystem

1 Stunde
Psyche und Bewegungssystem

1 Stunde
Spannungsphänomene und ihre Bedeutung in der MM

1 Stunde
Gezielte manualmedizinische Anamnese

1 Stunde
Manualmedizinisch beeinflussbare Krankheitsbilder

1 Stunde
Indikation und Kontraindikation für manualmedizinische Behandlungen

2 Stunden
Dokumentations- und Aufklärungsrichtlinien

Praxis (80 Stunden):

40 Stunden
Manualmedizinische Befunderhebung
• an den peripheren Gelenken
• orientierend an der Wirbelsäule
• an den artikularen Verbindungen des Kopfes
an der Muskulatur der Extremitäten, des Rumpfes, der Wirbelsäule und des Kopfes

10 Stunden
Bewertung der erhobenen Befunde

30 Stunden
manualmedizinischer Grundtechniken zur Behandlung von Funktionsstörungen an Gelenken und Weichteilen
• der Wirbelsäule
• des Kopfes
• der Extremitäten

Aufbaukurs (200 Stunden):
Erwerb spezifischer Fähigkeiten und Fertigkeiten

Theorie (40 Stunden):

14 Stunden
Differentialdiagnostik
• von Funktionsstörungen und Strukturerkrankungen (Bewegungssystem/ innere Erkrankung) (2)
• radikulärer und pseudoradikulärerSchmerzsyndrome (4)
• des Kreuz- und Becken-Bein-Schmerzes (2)
• zerviko kranial er und zervikobrachialer Schmerzen (4)
• von Äquilibrierungsstörungen (2)

6 Stunden
Steuerung des Bewegungssystems: Bewegungsmuster, ihre Ausarbeitung und Plastizität

10 Stunden
Verkettungen von Funktionsstörungen im Bewegungssystem

10 Stunden
Bedeutung der MM bei Säuglingen und Kleinkindern

Praxis (160 Stunden):

40 Stunden
Spezielle regional bezogene Manipulationstechniken an der Wirbelsäule und den Extremitätengelenken

30 Stunden
Erweiterung der Mobilisationstechniken unter Einbeziehung spezifischer Muskelhemm- und Muskelaktivierungstechniken (Muskelenergietechniken, Techniken mit postisometrischer Relaxation, Positionierungstechniken).

10 Stunden
Auswertung von Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren, spez. Funktionsradiologie

10 Stunden
Behandlungsstrategien bei Verkettungssyndromen

12 Stunden
Differenzierende Diagnostik der Störungen motorischer Funktionen in ihren unterschiedlichen Regelungs- und Steuerungsebenen

5 Stunden
Indikationen für Physiotherapie, Krankengymnastik und Rehabilitationstraining

30 Stunden
Grundlagen der myofaszialen und viszeralen Techniken

8 Stunden
Grundlagen der manuellen Untersuchung und Behandlung bei Kindern

15 Stunden
Einbau der manualmedizinischen Behandlung in ein multimodales Behandlungskonzept

DGCO e.V. | Deutsche Gesellschaft für Chirotherapie und Osteopathie e. V.
Pienzenauerstr. 14 | 81679 München | Telefon: 0 89 - 55 05 22 250

Kontakt   |  Impressum  |  Datenschutz

Seite drucken?

Umsetzung und Programmierung | Intelligent IT solutions GmbH